1. Resonanz - warum uns manche Menschen nicht mehr loslassen

Shownotes

Warum lässt uns ein Mensch nicht mehr los, obwohl kaum etwas passiert ist? Anhand einer Begegnung nach einer Yogastunde schauen wir auf ein vertrautes Gefühl mit den Augen der Physik – und entdecken, was Resonanz wirklich über uns verrät. Und was sie über die andere Person gerade nicht verrät.

Das Poster zur Folge mit den Kernaussagen bekommst du mit dem Newsletter: www.physics-in-life.com

Hast du eine eigene Situation, die du aus der Perspektive der Physik betrachten möchtest? Schreib mir: contact@physics-in-life.com – anonym, wenn du magst.

Transkript anzeigen

00:00:01: Kennst du das?

00:00:01: Du begegnest eine Menschen und obwohl objektiv gar nicht viel passiert ist, lässt er dich nicht mehr los.

00:00:07: Vielleicht denkst du immer wieder an ein Gespräch vielleicht geht dir einen Satz nicht mehr aus dem Kopf.

00:00:11: Vielleicht hast du auch das Gefühl diese Person hätte etwas ganz Besonderes.

00:00:15: Etwas dass andere nicht haben.

00:00:17: die meisten von uns würden sagen mit diesen Menschen habe ich einfach unglaublich resoniert und vielleicht stimmt das.

00:00:23: aber was bedeutet Resonanz eigentlich und was sagt sie wirklich über diesen Menschen aus?

00:00:28: Ich bin die Barbara und du hörst Physics in Life.

00:00:31: Und genau mit dieser Frage fangen wir heute an!

00:00:34: Ich erzähle dir eine Geschichte.

00:00:36: Vor ein paar Jahren begann einen Mann regelmäßig, eine Yoga-Stunde zu besuchen – nicht weil er nach einer großen Veränderung suchte.

00:00:43: Er wollte einfach etwas Neues ausprobieren.

00:00:46: Er mochte die Bewegungen, die Ruhe danach und das Gefühl dass für eine Stunde alles andere in den Hintergrund rückte.

00:00:52: Eines Abends blieb er nach der Stunde noch kurz stehen und unterhielt sich.

00:00:57: Es war kein außergewöhnliches Gespräch.

00:01:00: Sie erzählte von den Bergen, davon wie gern sie mit dem Mountainbike unterwegs war – wie lebendig sie sich dort fühlte!

00:01:06: Er hörte einfach zu.

00:01:08: Irgendetwas an diesem Gespräch fühlten sich angenehm an.

00:01:11: Nicht spektakulär, nicht überwältigend…einfach angenehmen.

00:01:15: Dann verabschiedeten sie sich.

00:01:17: Er stieg ins Auto und fuhr nach Hause.

00:01:19: Und genau hier wird es interessant.

00:01:22: Denn die meisten von uns würden jetzt sofort anfangen zu

00:01:24: erklären."

00:01:26: Vielleicht war sie besonders sympathisch, vielleicht fühlte er sich verstanden.

00:01:30: Vielleicht gefiel sie ihm einfach.

00:01:32: Vielleicht ist sie etwas Besonderes?

00:01:34: Vielleicht!

00:01:35: Aber merkst du was da gerade passiert?

00:01:37: Das sind alles schon Geschichten.

00:01:39: Die Physik macht an dieser Stelle etwas anderes.

00:01:42: Wenn Physikerinnen und Physiker auf ein neues Phänomen stoßen beginnen Sie nicht mit einer Erklärung.

00:01:48: Sie fragen nicht sofort nach dem Warum.

00:01:50: Sie schauen erst einmal genau hin.

00:01:52: Was geschieht hier eigentlich Unter welchen Bedingungen, was lässt sich tatsächlich beobachten?

00:01:59: Genau das machen wir jetzt.

00:02:01: Lass uns die Yoga-Stunde für einen Moment vergessen und stattdessen auf einen Spielplatz gehen!

00:02:05: Dort steht eine ganz gewöhnliche Schaukel – du gibst dir einen Shubs Sie schwingt nach vorn Komm zurück Die Bewegung wird kleiner Und irgendwann steht sie wieder still.

00:02:15: Soweit nichts Überraschendes.

00:02:17: Jetzt schubst Du sie noch einmal an Und nochmal Nicht kräftiger als vorher Jedes Mal ungefähr gleich.

00:02:24: Und trotzdem passiert diesmal etwas anderes.

00:02:27: Die Schaukel schwingt immer höher, mit jedem Schubst wird die Bewegung größer – nicht weil du mehr Kraft einsetzt sondern weil jeder Schubs genau im richtigen Moment kommt!

00:02:37: Die Bewegung von außen passt zur eigenen Bewegung der Schauke.

00:02:42: Die versignen dieses Phänomen Resonanz Eine äußere Schwingung trifft auf ein System und wenn beide zusammen passen beginnt das System stärker mitzuschwingen.

00:02:53: Bis hierher klingt das noch nach ganz normalem Physikunterricht, aber jetzt lass uns etwas beobachten, dass leicht übersehen wird.

00:03:00: Wer gerät hier eigentlich in Resonanz?

00:03:03: Die Person die anschubst oder die Schaukel – natürlich die Schauckel!

00:03:08: Die Person verändert sich überhaupt nicht.

00:03:10: Die Resonance entsteht ausschließlich in dem System, das reagiert.

00:03:15: und das heißt, Resonanzt sagt nichts über die Quelle aus sie beschreibt nur die Reaktion des Systems.

00:03:22: Ich finde, das ist eine erstaunliche Beobachtung.

00:03:25: Denn im Alltag ziehen wir fast immer den umgekehrten Schluss!

00:03:28: Wenn uns ein Mensch tief berührt, glauben wir dieser Mensch müsse etwas ganz Besonderes sein.

00:03:34: Wenn uns einen Film nicht mehr loslässt halten wir den Film für außergewöhnlich – wenn uns eine Idee begeistert glauben wir die Idee müsse genau die Richtige sein.

00:03:43: Aber sagt unsere Reaktion das wirklich über die Quelle aus?

00:03:47: Oder sagt sie erstmal etwas über uns….

00:03:49: Gehen wir noch einmal zurück zur Yoga-Stunde.

00:03:52: Objektiv betrachtet ist fast nichts passiert, eine Frau erzählte von ihrer Leidenschaft für die Berge – ein Mann hörte zu!

00:03:59: Ein paar Minuten mehr nicht und trotzdem beschäftigte in dieses Gespräch noch Tage später.

00:04:06: Die Physik würde hier keine Geschichte erzählen, sie würde erst einmal nur feststellen, dieses System reagiert ungewöhnlich stark, mehr nicht.

00:04:14: Sie würde nicht behaupten dass die Yoga-Lehrerin etwas Besonderes Nicht, dass die beiden füreinander bestimmt sind und auch nicht das ihre Worte etwas Neues in ihm erschaffen haben.

00:04:25: All das wären schon Interpretationen!

00:04:28: Und dazu gehört auch eine unbequeme Ehrlichkeit.

00:04:31: Resonanz ist keine Aussage über Gegenseitigkeit.

00:04:34: Denk noch einmal an die Schaukel – sie schwingt immer höher und die Person, die anschiebt, spürt davon nichts.

00:04:41: Sie schwingte nicht mit — sie geht danach einfach

00:04:43: weiter.".

00:04:45: Übertragen heißt es?

00:04:46: Während ihn dieses Gespräch tagelang beschäftigt, hat die Yoga-Lehrerin es vielleicht längst vergessen.

00:04:53: Für sie war es womöglich ein Gespräch wie jedes andere nach irgendeiner Stunde!

00:04:58: Seine starke Reaktion sagt nichts darüber aus was in ihr passiert – denn Resonanz sagt nicht über die Quelle aus auch nicht ob die Quellen selbst irgendetwas Besonderes empfindet.

00:05:10: Das klingt vielleicht ernüchternd aber es schützt uns vor einem der häufigsten Denkfehler überhaupt aus der eigenen Reaktion auf die Gefühle des anderen zu schließen.

00:05:21: Die spannende Frage ist also nicht, was ist so Besonderes an dieser Frau?

00:05:26: Sondern worauf konnte sein System überhaupt zu stark

00:05:30: reagieren?!

00:05:32: Und hier kommt vielleicht die wichtigste Eigenschaft der Resonanz – Schau noch einmal auf die Schaukel!

00:05:37: Der Shubs hat die Schaurkel nicht erfunden.

00:05:40: Die Schaukel war schon da, ihre Fähigkeit zu schwingen war schon.

00:05:44: Der Schubs hat nur etwas sichtbar gemacht, das längst vorhanden war.

00:05:48: Resonanz erschafft nichts Neues!

00:05:51: Sie macht sichtba was bereits da ist.

00:05:54: sie verstärkt was bereits schwinge kann.

00:05:57: Für unseren Mann heißt es Dieses Gespräch hat seine Sehnsucht nach Lebendigkeit nicht erzeugt.

00:06:03: Die Berge die Freiheit dieses Gefühl von so möchte ich mich auch fühlen.

00:06:07: Das war vorher schon in ihm.

00:06:09: Das Gespräch hatte es nur hörbar gemacht.

00:06:12: Die Yoga-Lehrerin ist nicht die Quelle, sie ist der Resonanzkörper an dem die Quellen sichtbar wird.

00:06:18: Und wichtig das macht die Begegnung nicht kleiner es macht sie ehrlicher denn jetzt weiß er wo er suchen muss!

00:06:26: Nicht in ihr sondern in dem was Sie in ihm zum Schwingen gebracht hat.

00:06:31: bevor wir zum Ende kommen noch eine Beobachtung die leicht untergeht.

00:06:35: bis jetzt klang Resonans nach etwas Schönem Ein berührendes Gespräch, eine Sehnsucht und Lebendigkeit.

00:06:42: Aber die Physik kennt hier keine Bewertung!

00:06:45: Resonanz ist weder gut noch schlecht – sie ist einfach eine starke Reaktion.

00:06:50: Bleiben wir dafür in der Yoga-Stunde denn dort gibt es noch jemanden, der in unserem Mann etwas auslöst nur ganz anders.

00:06:58: Eine Teilnehmerin, die fast jedes Mal zu spät kommt.

00:07:02: Jedes mal rollt sie ihre Mathe geräuschvoll aus während alle anderen schon in der Stille angekommen sind.

00:07:08: Sie macht zwischendurch Kommentare, wenn eigentlich niemand sprechen soll.

00:07:12: Die meisten im Raum nehmen es kaum wahr – manche schmunzeln sogar darüber!

00:07:16: Aber unser Mann spürt jedes Mal wie sich etwas in ihm zusammenzieht.

00:07:20: Er ärgert sich manchmal noch auf der Heimfahrt und jetzt beobachte genau gleiche Raum, gleiche Stunde, gleicher Teilnehmerin ….

00:07:28: Und trotzdem völlig unterschiedliche Reaktionen….

00:07:31: die einen reagieren kaum….

00:07:33: Unser Mann reagiert stark….

00:07:35: Woran liegt das?

00:07:37: An der Teilnehmerin allein kann es nicht liegen, denn sonst müssten ja alle gleich reagieren.

00:07:42: Aus Sicht der Physik ist das exakt dasselbe Phänomen wie beim Gespräch mit der Yoga-Lehrerin.

00:07:48: Etwas von außen trifft eine Frequenz die im System bereits existiert – nur schwingt diesmal keine Sehnsucht mit sondern vielleicht ein altes Thema!

00:07:57: Das Bedürfnis nach Ruhe, das früher oft übergangen wurde oder eine alte Erfahrung, nicht gesehen oder nicht respektiert zu werden.

00:08:05: Im Alltag nennen wir so etwas einen Tricker – die Physik würde sagen auch das ist Resonanz!

00:08:11: Die Stärke deiner Reaktion sagt also nicht ob etwas Gutes- oder etwas Schmerzhaftes berührt wurde.

00:08:16: sie sagt nur hier wurde etwas berührt dass schon da war.

00:08:20: Die Bewertung fügen wir selbst hinzu und dass die anderen im Raum kaum reagieren zeigt in ihnen trifft diese Teilnehmerin einfach keine Frequenz.

00:08:31: Wenn wir es auf einen Satz bringen wollen, Resonanz erschafft nichts Neues.

00:08:35: Sie macht hörbar was in uns längst schwingt!

00:08:38: Sie sagt zunächst mehr über uns aus als über das was sie ausgelöst hat und sie hat keine Qualität.

00:08:44: Sie bedeutet nur dass etwas von außen zu unserer Eigenschwingung passt.

00:08:49: Das war unsere erste Folge von Physics in Life.

00:08:52: wenn du gerade an eine eigene Situation gedacht hast an einem Menschen oder einen Moment der dich nicht loslässt dann hat diese Folge genau das getan, was Resonanz tut.

00:09:02: Sie hat etwas berührt, dass schon da

00:09:04: war.".

00:09:05: In der nächsten Folge geht die Geschichte unseres Jogermannes weiter!

00:09:08: Er geht inzwischen nicht mehr einfach zum Yoga um abzuschalten – er geht hin und hofft, dass sie sich wieder mit ihm unterhält… Und er fragt sich ständig?

00:09:16: Empfindet sie dasselbe oder ist sie einfach nur

00:09:18: freundlich?!

00:09:20: Was einmal leichter fühlt sich jetzt seltsam schwer an.

00:09:23: Darum geht es beim nächsten Mal und wir analysieren es aus der Perspektive der Physik.

00:09:28: Und noch etwas.

00:09:29: Ist dir beim Zuhören eine eigene Situation eingefallen, eine Begegnung oder ein Moment der dich beschäftigt?

00:09:35: Schick sie mir!

00:09:36: In den nächsten Folgen nehme ich echte Situationen von Hörerinnen und Hörern und analysiere was die Physikerin sichtbar macht ohne Ratschläge, ohne Bewertungen Wie steht in den Show-Notes.

00:09:48: Dort findest du auch ein schönes Poster mit den wichtigsten Gedanken dieser Folge zum Herunterladen.

00:09:53: Ich bin die Barbara.

00:09:54: Schön, dass du dabei warst.

00:09:55: Bis zum nächsten Mal bei Physics in Life!

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