2. Spannung - nicht mehr im Alten, noch nicht im Neuen
Shownotes
Etwas, das leicht war, fühlt sich plötzlich schwer an - und von Woche zu Woche schwerer, obwohl im Außen fast nichts passiert. Mit einer einfachen Feder zeigt die Physik, warum das so ist: Spannung ist kein Zeichen, dass etwas korrigiert werden muss. Sie ist der Zustand zwischen zwei Ruhelagen.
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00:00:01: Kennst du das?
00:00:01: Etwas in deinem Leben fühlt sich plötzlich anders an und du kannst gar nicht genau sagen warum.
00:00:06: Etwas, dass früher leicht war, fühlt dich jetzt bedeutsam an.
00:00:09: Es würde etwas darauf warten zu passieren.
00:00:11: Du wartest und manchmal ohne genau zu wissen worauf Und je länger dieser Zustand dauert, desto schwerer wird er.
00:00:18: Die meisten von uns wollen dann so schnell wie möglich eine Antwort.
00:00:21: Was bedeutet das?
00:00:22: Was soll ich tun?
00:00:23: Aber was wenn dieser Zustands selbst uns etwas zeigt noch bevor wir irgendeine Antwort haben?
00:00:28: Ich bin die Barbara und du hörst Physik in Live.
00:00:31: Heute geht es genau um diesen Zustand dazwischen!
00:00:33: Die Physik hat ein Wort dafür Spannung.
00:00:38: Erinnerst Du Dich an den Mann aus der Yoga-Stunde?
00:00:40: In der letzten Folge hat ein beiläufiges Gespräch mit seiner Yoga-Lehrerin etwas in ihm zum Schwingen gebracht, Resonanz.
00:00:47: Etwas das längst in ihm war wurde hörbar.
00:00:50: Eine Woche später fuhr er wieder zur Jogastunde und er bemerkte etwas – er freute sich nicht nur auf das Yoga sondern darauf sie wiederzusehen!
00:01:00: Als er den Raum betrat lächelte sie ihm kurz zu.
00:01:02: es war nur einen Moment und trotzdem begleitete ihn dieses Lächeln noch auf dem Heimweg.
00:01:07: In den folgenden Wochen unterhielten sie sich immer wieder nach der Stunde, mal nur zwei Minuten, mal etwas länger.
00:01:13: Ganz gewöhnliche Gespräche und doch bemerkte der Mann das sich etwas verändert hatte – nicht zwischen ihnen in ihm!
00:01:22: Früher ging er zum Yoga um abzuschalten, jetzt ging er hin und hoffte dass sie danach noch Zeit hatte.
00:01:28: Wenn sie blieb freute er sich, wenn sie direkt ging war er enttäuscht.
00:01:33: Er begann sich vorzustellen, wie es wäre ihr auch außerhalb der Stunde zu begegnen.
00:01:38: Und gleichzeitig wusste er nicht ob sie überhaupt dasselbe empfand.
00:01:41: Vielleicht war sie einfach freundlich – vielleicht bedeutete das alles gar nichts!
00:01:46: Er wusste es nicht und genau das ließ ihn nicht mehr los.
00:01:50: Die Stunde die ihm früher Ruhe gegeben hatte fühlte sich jetzt seltsam schwer an und von Woche zu Woche wurde es schwerer.
00:01:58: Dabei passierte im Außen eigentlich fast nix….
00:02:02: Viele von uns würden jetzt vielleicht sofort anfangen Antworten zu suchen.
00:02:06: Ist das Liebe, sollte er sie ansprechen?
00:02:09: Bildet er sich das alles nur ein?
00:02:11: Sollte er lieber Abstand
00:02:12: halten?".
00:02:13: Merkst du was da passiert?
00:02:15: Wir wollen den Zustand so schnell wie möglich beenden – nicht unbedingt weil eine der Antworten stimmt sondern weil das Nicht-Wissen so schwer auszuhalten ist!
00:02:25: Die Physik macht wieder etwas anderes.
00:02:27: Sie fragt nicht als erstes Was bedeutet das?
00:02:31: Was lässt sich beobachten?
00:02:34: Und vor allem, warum wird es schwerer, obwohl nichts passiert.
00:02:38: Dafür verlassen wir die Yoga-Stunde.
00:02:40: kurz – diesmal brauchen wir keinen Spielplatz, diesmal reicht eine Feder!
00:02:45: Stell dir eine ganz gewöhnliche Metallfeder vor.
00:02:48: Solange niemand sie anfasst liegt sie einfach da.
00:02:51: Sie hat einen Zustand in dem sie von selbst bleibt und indem sie von Selbst zurückkehrt wenn man sie kurz stört Nennen wir diesen Zustand ihre Ruhelage.
00:03:01: Jetzt nimmt die Feder in beide Hände und zieht sie auseinander.
00:03:04: In diesem Moment verändert sich etwas Grundlegendes.
00:03:07: Die Feder ist nicht mehr dort, wo sie war – aber sie ist auch nirgendwo neuem angekommen!
00:03:13: Sie isst dazwischen…die Physiken an diesen Zustand
00:03:16: Spannung.".
00:03:18: Und jetzt achte auf drei Dinge …sie klingen einfach….aber in ihnen steckt fast alles was wir heute brauchen.
00:03:24: Erstens Eine gespannte Feder ist NICHT kaputt.
00:03:28: Sie ist einfach eine Feder in einem anderen Zustand.
00:03:32: Zweitens, die Feder zieht – du spürst es in den Händen einen stillen beständigen Zug zurück in Richtung ihrer Ruhelage.
00:03:39: Spannung ist kein friedliches Schweben dazwischen.
00:03:42: Spannung zieht immer!
00:03:45: Und drittens das ist ein echtes Gesetz der Physik.
00:03:49: Geweiter du die Feder deinst, desto stärker wird der Zug.
00:03:52: Gleiche Feder größere Dehnungen stärkerer Zug und noch etwas kommt dazu Halte die Feder eine Weile gespannt, einfach nur halten.
00:04:01: Nichts weiter!
00:04:02: Nach einer Weile werden deine Hände müde.
00:04:05: Einfach weil halten
00:04:06: anstrengt.".
00:04:08: Und jetzt schauen wir mit diesen drei Beobachtungen auf unseren Mann.
00:04:11: Erstens.
00:04:12: An ihm ist nichts kaputt.
00:04:14: Die Resonanz aus der letzten Folge hat etwas in ihm hörbar gemacht und seitdem ist sein System nicht mehr in seiner alten Ruhelage.
00:04:21: Vorher ging er einfach zum Yoga.
00:04:23: Jetzt wartet er auf einen bestimmten Moment.
00:04:26: Er isst die gespannte Feder Nicht mehr im Alten, noch nicht im Neuen.
00:04:31: Das ist
00:04:31: Spannung.".
00:04:33: Zweitens – es zieht!
00:04:35: Und er merkt es daran, dass er dagegen ankämpft.
00:04:38: Er nimmt sich vor, sich nichts mehr daraus zu machen, einfach wieder nur zum Yoga zu gehen wie früher und genau da wartet die eigentliche Entdeckung.
00:04:47: Es geht nicht, denn seine Ruhelage selbst hat sich verschoben.
00:04:51: Die Resonanz hat etwas Hörber gemacht das nicht wieder leise wird, nur weil er es sich vornimmt.
00:04:56: Das alte, einfach nur Yoga existiert als Ruhepunkt nicht mehr.
00:05:00: Deshalb löst sich die Spannung nicht von selbst!
00:05:03: Es gibt kein Zurück in einen alten Zustand den es nicht mehr gibt.
00:05:08: Vielleicht fragst du dich gerade – ist das immer so?
00:05:11: Kann man nie einfach
00:05:12: zurück?!
00:05:13: Doch, meistens sogar!
00:05:15: Denk noch einmal an die Schaukel aus der ersten Folge.
00:05:18: Man gibt dir einen Schubs sie schwingt und wenn niemand weiter anschiebt wird sie von ganz allein wieder still Genau dort wo sie vorher war.
00:05:26: So geht es uns mit den meisten Dingen, die uns berühren.
00:05:28: Ein Film bewegt uns, ein Gespräch geht uns nach und nach ein paar Tagen klingt es ab – Die alte Ruhelage trägt
00:05:35: wieder.".
00:05:35: Verschoben hat sich die Ruhellage erst dann wenn das Abklingen ausbleibt weil die Resonanz von Begegnung zu Begegenung größer wird und wenn der Zug über Wochen wächst statt leiser zu werden so wie bei ihm.
00:05:47: Dann hat die Resonenz etwas berührt dass zu ihm gehört und in seinem Leben noch keinen Platz hat.
00:05:53: Und was einmal hörbar geworden ist lässt sich nicht wieder enthören.
00:05:57: Wo seine neue Ruhelage liegt, weiß er noch nicht – vielleicht ahnst du schon?
00:06:02: Nicht unbedingt dort wo die Resonanz herkam!
00:06:05: Aber wie ein System eine neue Ruherlage findet, das ist eine größere Frage.
00:06:09: Sie wird uns durch die nächsten Folgen begleiten.
00:06:13: Und drittens Je weiter gedehnt desto stärker der Zug Jede Stunde in dir mit Erwartung geht, dehnt die Feder ein Stück weiter Bleibt sie heute Geht sie gleich Bedeutet ihr lächeln etwas?
00:06:26: Hoffnung, Enttäuschung.
00:06:28: Wieder Hoffnung!
00:06:29: Im Außen passiert fast nichts Neues aber die Dehnung wächst und mit ihr der Zug.
00:06:34: Genau deshalb wird es von Woche zu Woche schwerer obwohl objektiv alles gleich bleibt Und deshalb fühlt er sich abends manchmal erschöpft Denn er hält diese Spannung Die ganze Zeit und Halten strengt an.
00:06:48: Eine Sache noch und sie kommt dir bekannt vor Die Spannungen sagt nicht über die Yoga-Lehrerin aus Sie ist in seinem System entstanden, nicht zwischen ihnen.
00:06:57: Er kann sie nicht auflösen indem er ihre Gedanken erräht.
00:07:01: Was ihn ihr vorgeht bleibt so offen wie in der letzten Folge über Resonanz.
00:07:06: und jetzt der Punkt den wir vielleicht übersehen Es kann sein dass wir Spannung wie ein Problem behandeln das so schnell wie möglich gelöst werden muss als wäre etwas falsch das korrigiert gehört.
00:07:17: Wir greifen nach der erstbesten Antwort Nach der erstbesten Geschichte.
00:07:21: Hauptsache, dass dazwischen hört auf.
00:07:24: Die Physik würde nüchtern feststellen – dieses System hat seine bisherige Ruhelage verlassen!
00:07:30: Der neue Zustand ist noch offen… mehr nicht.
00:07:33: Sie verlangt keine sofortige Antwort weil das da zwischen kein Fehler ist.
00:07:36: und auch etwas steckt in der gespannten Feder.
00:07:39: Das Wichtigste vielleicht Denk an einen Bogen Denn Bogen kann einem Pfeil nur fliegen lassen wenn er gespannt ist.
00:07:45: Ein entspannter Bogen ist bequem aber aus ihm fliegt nichts.
00:07:50: In einer gespannten Feder steckt Bewegung, die noch nicht stattgefunden hat.
00:07:54: Das ist Spannung – noch nicht geschehene Bewegungen!
00:07:57: Dass Schwere das unser Mann Woche für Woche hält, ist zugleich der Stoff der Veränderung, den noch kommt.
00:08:04: Ohne Spannungen keine Bewegung.
00:08:06: Spannungs ist also nicht der Feind der Ruhe.
00:08:09: Sie ist der Weg von einer Ruhelage zur Nächsten Wenn wir es auf einen Satz bringen wollen.
00:08:15: Spanung bedeutet nicht dass du etwas korrigieren musst.
00:08:19: Deine alte Ruhelage trägt nicht mehr und die Neue ist noch nicht da.
00:08:23: Sie zieht, und je länger du dazwischen stehst, desto stärker spürst Du sie!
00:08:28: Aber genau in ihr steckt die Bewegung, die noch kommt.
00:08:31: Das war Folge zwei von Physics In Life Und wenn sich diese Woche etwas in deinem Leben seltsam schwer oder unruhig anfühlt dann halte kurz inne und frag dich.
00:08:40: bin ich vielleicht gerade zwischen zwei Ruhellagen?
00:08:43: Du musst die Spannung nicht sofort auflösen.
00:08:46: es reicht sie zu erkennen und ihr nicht gleich die erstbeste Geschichte überzustülpen.
00:08:51: Und wie geht es unserem Yogamann?
00:08:53: Die Gedanken an sie nehmen immer mehr Raum ein, beim Frühstück bei der Arbeit abends vor dem Einschlafen – immer öfter kreist alles um dieselbe Frage!
00:09:01: Und für alle andere in seinem Leben bleibt spürbar weniger Platz.
00:09:05: Warum sich das Leben plötzlich eng anfühlt, obwohl's sich im Außen fast nichts verändert hat, darum geht es beim nächsten Mal... ...und natürlich schauen wir uns wieder aus der Perspektive der Physik an.
00:09:17: Ist dir beim Zuhören eine eigene Situation eingefallen?
00:09:21: Eine Begegnung, ein Moment der dich beschäftigt?
00:09:24: Schick sie mir!
00:09:25: In den nächsten Folgen nehme ich echte Situationen von Hörerinnen und Hörern und analysiere was die Physik darin sichtbar macht.
00:09:32: Ohne Ratschläge ohne Bewertungen Wie steht in den Show Notes?
00:09:37: Ich bin die Barbara.
00:09:38: Schön dass du dabei warst Bis zum nächsten Mal bei Physics in Life.
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